Sie haben ein Recht, sich helfen zu lassen! |
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Oft hört man von Betroffenen, mit ihrer Trauer allein fertig werden zu müssen. Als ob die von ihnen zu leistende Trauerarbeit geradezu verlangt, Hilfe von außen abzulehnen. Woher kommt dieser Irrtum? „Da
ist einem nicht zu helfen“ oder „Wenn
überhaupt, kann ich
mir nur selbst helfen“: Die Verzweiflung in einer
Trauersituation macht
solche
Äußerungen nur zu verständlich. Aber Sie
treffen nicht
zu. Überlegen Sie mal:
Auch wenn Sie es wollten – warum sollten Sie sich gerade in
jener
Situation nur
allein helfen können, in
der Sie
psychisch extrem verletzt und geschwächt sind und in der
deshalb
auch die Macht
über sich selbst eingeschränkt ist?
Mangel an Trauerkultur und
Trauerritualen Regional
sicher unterschiedlich, gibt es insgesamt bei uns
leider (noch) Defizite an sozial akzeptierten wie vorgelebten Formen,
Trauer zu
äußern. In einigen anderen Kulturkreisen geben
Trauerrituale
vergleichsweise mehr
Orientierung und Halt.
Aber ist ein derartiger Mangel Grund genug sein, sich das Leben noch schwerer zu machen, in dem man seine Trauer einschließt?
Normen der Leistungsgesellschaft Sich nicht allzu viel anmerken zu lassen, möglichst schnell und möglichst allein mit der Trauer fertig zu werden um wieder fit zu sein - dies gilt in unserer Gesellschaft leider vielfach als unausgesprochene Leistungsnorm. Sie ist von der Realität des Arbeitslebens und nicht von der psychologischen Struktur und Funktion schwieriger Trauerprozesse geprägt. Natürlich
„passt“ die trauerbedingte
Krisensituation nicht in die heutige Arbeitswelt. Aber sie ist auch
eine
Realität, was sie auch bleibt, wenn sie ignoriert wird und was
sie
auch zeigt, wenn
die psychosomatischen Gefährdungen in Krankheiten umschlagen. Trauernde
müssen beiden
Realitäten Rechnung tragen. Anders gesagt: Es macht keinen
Sinn,
die eigenen
Bedürfnisse in einer individuellen Extremsituation
vollständig problematischen sozialen Erwartungen
unter-zuordnen.
Enttäuschte Erfahrungen Geringe
Wertschätzung der Hilfe von außen wird zuweilen mit
persönlichen
Erfahrungen in Verbindung gebracht: So mancher Ratschlag von
Angehörigen oder
Freunden war sicher gut gemeint, aber wenig hilfreich. Nun ist das
nicht
verwunderlich: Der gesunde Menschenverstand kann nicht das Wissen um
die
psychologischen Prozesse und die Möglichkeiten ihrer
Beeinflussung
ersetzen.
Und auch das so überaus wichtige „Da-Sein“
in den schweren Stunden
der Trauer
reicht eben manchmal nicht aus. Solche
Erfahrungen widersprechen nicht den Möglichkeiten,
Trauernden wirksam helfen zu können. Legen sie nicht
eigentlich
nur nahe, im
gegebenen Fall zu erwägen, professionelle Hilfe in Anspruch zu
nehmen?
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